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Sehen und Wahrnehmen

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Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. Matthäus 13,13

„Sag' mal, hast du keine Augen im Kopf?“ Ist dir das auch schon einmal vorgeworfen worden? Oder hast du diesen Satz vielleicht schon selbst ausgesprochen?

Ja, wie leicht übersieht man etwas! Man sieht es zwar, aber nimmt es nicht wahr. Das hat sicher verschiedene Ursachen. Manchmal rechnen wir zum Beispiel einfach nicht damit, einem bestimmten Menschen zu begegnen. Oder unsere Gedanken sind mit anderen Dingen beschäftigt. Trifft uns nicht gerade hier das Wort der Andacht: „Mit sehenden Augen sehen sie nicht“?

Jesus ist traurig darüber, dass Menschen für alles Mögliche Augen haben, ihn aber nicht erkennen. Da beobachtet ein Mensch den klaren Sternenhimmel, ein anderer schaut in das Elektronenmikroskop: Der eine kommt zu dem Schluss: „Wie wunderbar sind deine Werke, o Herr!“, und der andere staunt darüber, was die „Natur“ hervorgebracht hat.

Wenn Jesus sagt: „Mit sehenden Augen sehen sie nicht“, dann trifft das nicht nur auf die große Frage der Existenz Gottes, sondern auch auf die Fragen unseres Alltags zu. Fragen wir uns doch, wo wir ihn noch erkennen! Wie oft haben wir ihn übersehen – bewusst oder unbewusst –, ihn gar nicht wahrgenommen?

Jesus macht das ganz deutlich, wenn er in Matthäus 25 das Weltgericht beschreibt. Zu denen auf der rechten Seite sagt er: „Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich... denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben ...“ (V. 35.36) Und als die Angesprochenen nach dem Wann fragen, antwortet er: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (V. 40) Jesus identifiziert sich mit denen, deren Sorgen, Nöte und Probleme allzu gern übersehen werden: mit den Hungernden, Kranken, Gefangenen, Elenden. Übersehen wir den Mitmenschen in Not, dann übersehen wir Ihn – Gott!

Wenn wir unseren Tagesablauf einmal überdenken, dann werden wir feststellen, dass sich unsere Augen häufig – wie in Zeichentrickfilmen manchmal so bildhaft dargestellt – in Euro-Zeichen verwandeln: Wir sehen zwar das Elend unserer Mitmenschen, nehmen es aber nicht wahr.

Gott schenke uns Augen, die nicht nur sehen, sondern auch wahrnehmen können. Weil Gott nur so erfahrbar ist.

Erich Lischek

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